Zukunftsprojekt Grüne Wärme.
Die Energiewirtschaft im Gespräch mit Politik und Wirtschaft

Am 25. Februar 2025 war die Stadthalle Cottbus gut gefüllt. Konferenzteilnehmer aus der Energiewirtschaft Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsen, Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft waren vor Ort, um über die Zukunft der erneuerbaren Strom- und der klimaverträglichen Wärmeversorgung zu sprechen.
Wie können nachhaltige Lösungen bei Strom und Wärme vorangetrieben werden? Wie kann die Wasserstoffwirtschaft in den Regionen Fahrt aufnehmen? Vor allem in Zeiten der Inflation, des Fachkräftemangels, in Zeiten von international schwierigen politischen Situationen und Krisen. Wo kommt das Geld für Investitionen her? Was sind wichtige, nächste Schritte, um die Wärmewende in Deutschland erfolgreich und sozial verträglich umzusetzen?
Gastgeber der mittlerweile vierten Konferenz zur Infrastrukturentwicklung im Lausitzer- und Mitteldeutschen Revier war die BDEW-Landesgruppe Mitteldeutschland. BDEW - die Abkürzung steht für Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V., es ist ein großer Interessenverband der deutschen Strom- und Energiebranche. Die Tagung fand unter Schirmherrschaft der drei Ministerpräsidenten der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, Ministerpräsident Michael Kretschmer, Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke statt.
Unterteilt war die Branchenkonferenz in Themenfelder wie zum Beispiel „Investitionssicherheit und politische Rahmenbedingungen“, „Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz der Wärmewende“ sowie „Regionale Besonderheiten und Lösungen für Stadt und Land“.
Das Resümee zahlreicher Teilnehmer: Brandenburgs erneuerbare Stromerzeugung ist weit entwickelt und kann sich beim Ländervergleich sehen lassen, doch beim Thema klimaverträgliche Wärmeversorgung besteht Nachholbedarf.
Bei den Gesprächen rund um die Wärmeversorgung ging es um die Problematik, wie die künftige Bundesregierung den Kurs Richtung Klimaverträglichkeit gestaltet, was mit dem Gebäudeenergiegesetz, auch Heizungsgesetz genannt, nun in naher Zukunft passieren wird.
Der Appell der Teilnehmer und auch des BDEW: Die Politik muss liefern. Die Ziele der neuen Regierung müssen vor allem auf eine für die Bürgerinnen und Bürger bezahlbare Wärmeversorgung ausgerichtet sein.

Vertreter von Unternehmen und Verbänden plädierten dafür, das Ausbautempo bei den Erneuerbaren beizubehalten und Aufgaben wie Stromnetzausbau, Schaffung eines Wasserstoffnetzes und wasserstofftauglicher Gaskraftwerke für Zeiten schwächerer Wind- und Solarstromerzeugung konsequenter anzugehen.
Die Wärmeerzeugung muss dagegen auch in Brandenburger Kommunen noch deutlich erneuerbarer werden. Kommunale Wärmeplanung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wärmenetze gelten als wichtige Option für die Umsetzung von Wärmeplänen.
Städte vollständig über Wärmenetze zu versorgen, sei jedoch nicht möglich, sagte Leif Christian Cropp, Geschäftsführer der EMB Energie Brandenburg GmbH. Für Stadt und Land seien außerdem dezentrale Lösungen gefragt. In jedem Fall sollten die jeweils speziellen Bedingungen vor Ort einbezogen werden. „Es kommt auf lokale Lösungen an“, betonte Cropp.
Bei der Suche nach erneuerbaren Wärmequellen bringen auch Kommunen zunehmend Geothermie ins Gespräch. Von der Tiefengeothermie bis zur Nutzung oberflächennaher Erdwärme stehe eine „große Bandbreite an Technologien“ zur Verfügung, erläuterte der EMB-Geschäftsführer.
Doch viele Experten sind sich einig, ohne eine Veränderung der kommunalen Finanzierungsmöglichkeiten stießen Städte und Gemeinden an ihre Grenzen. Dringend benötigt werden Fördergelder. Auch Geothermie werde ohne Fördermittel nicht kommen, stellte EMB-Geschäftsführer Cropp klar.
Das gleiche gilt für die Wasserstoffversorgung, die manche weiter als Option für die Wärmeversorgung sehen.
—————————————————————————————-
Hintergrund: Wer ist der BDEW?
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, und seine Landesorganisationen vertreten mehr als 2.100 Unternehmen. Das Spektrum der Mitglieder reicht von lokalen und kommunalen über regionale bis hin zu überregionalen Unternehmen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Strom- und gut 60 Prozent des Nah- und Fernwärmeabsatzes, 90 Prozent des Erdgasabsatzes, über 95 Prozent der Energienetze sowie 80 Prozent der Trinkwasser-Förderung und rund ein Drittel der Abwasser-Entsorgung in Deutschland.